Ich habe vor Jahren , vielen Jahren schon mal dieses Thema im Fokus gehabt. Es hat sich einfach nicht so viel geändert !
Unsere Position zur CDDY- / IVDD-Thematik
In der modernen Hundezucht wird der Ruf nach genetischen Tests immer lauter. Auch wir verfolgen die wissenschaftlichen Entwicklungen rund um die Mutation CDDY (Chondrodystrophie) und das damit verbundene Risiko für Bandscheibenvorfälle (IVDD) aufmerksam und sind viel weiter in der Materie wie wir es hier schreiben.
Nach intensiver Auseinandersetzung mit der aktuellen Studienlage und den verschiedenen Thesen haben wir uns bewusst für einen neutralen und rein praxisorientierten Weg entschieden und aus den Grund auf 500 Seiten Text verzichtet und sind relativ Neutral geblieben. Es ist auch so mehr als genug zu lesen.
Substanz vor Theorie
Ein Gentest beschreibt lediglich ein statistisches Risiko, bildet aber nicht den tatsächlichen Gesundheitszustand des einzelnen Hundes ab. Für uns steht fest: Man kann eine Rasse nicht „gesundtesten“, wenn man dabei die funktionale Anatomie aus den Augen verliert.
Wir sind der Überzeugung, dass zum jetzigen Zeitpunkt eine abschließende Bewertung dieser Gen-Thematik für unsere Zucht nicht zielführend ist. Stattdessen konzentrieren wir uns auf die wichtigsten „Hausaufgaben“ der Gegenwart:
Funktionalität des Körpers: Zucht von stabilen, beweglichen und belastbaren Hunden.
Anatomische Gleichmäßigkeit: Harmonie im Körperbau, die Überlastungen biomechanisch verhindert.
Klinische Gesundheit: Der Fokus liegt auf dem Hund in der Praxis, nicht nur auf dem Papier.
Innovation in der Praxis: Objektive Befundung durch KI
Ein entscheidender Schlüssel für die Zukunft liegt für uns in der modernen Diagnostik. Wir haben uns intensiv mit den Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz (KI) in der Veterinärmedizin auseinandergesetzt und eigene Vergleiche angestellt. Das Ergebnis ist wegweisend: Die KI-gestützte Auswertung von Röntgenbildern ist heute so weit fortgeschritten, dass sie Befundungen extrem präzise, objektiv und reproduzierbar durchführt.
In unseren Praxistests stimmten die Ergebnisse der KI exakt mit den Diagnosen erfahrener, menschlicher Gutachter überein. Der Einsatz von KI bietet für die Zucht der Zukunft unschlagbare Vorteile:
Höchste Zuverlässigkeit: Objektive Daten ohne menschliche „Tagesform“.
Maximale Effizienz: Ein offizieller Gutachter müsste das KI-Ergebnis lediglich noch kontrollieren und freigeben, anstatt den Befund komplett neu aufzubauen.
Sofortige Ergebnisse: Keine monatelangen Wartezeiten mehr auf Gutachten.
Kosteneffizienz: Eine hochentwickelte Diagnostik, die für jeden Züchter bezahlbar bleibt.
Unser Blick in die Zukunft
Sobald diese bildgebenden Verfahren und KI-gestützten Auswertungen für das IVDD-Röntgen flächendeckend standardisiert sind, werden wir dieses Thema nochmal aktiv aufgreifen.
Unser Ziel bleibt es, durch die Selektion auf einen funktionalen Körperbau die Basis so zu stärken, dass die rein statistische Relevanz des CDDY-Tests in den Hintergrund rückt. Ein anatomisch korrekter, gleichmäßig gebauter und modern durchleuchteter Hund trägt das beste Fundament für ein langes, beschwerdefreies Leben.
🧬 Das CDDY-Gen beim Welsh Corgi – Wissenschaft, Anatomie, Biomechanik und Verantwortung in der modernen Zucht
Zwischen Genetik, klinischer Realität und moderner Zuchtverantwortung
Kaum ein genetischer Befund wird in der modernen Hundezucht derzeit so kontrovers diskutiert wie das sogenannte CDDY-Gen beim Welsh Corgi.
Während genetische Labore und öffentliche Debatten häufig den Eindruck vermitteln, ein positiver Befund sei automatisch gleichbedeutend mit einem kranken Hund, zeigt die praktische Realität vieler anatomisch gesunder und klinisch unauffälliger Corgis ein deutlich komplexeres Bild.
Die tatsächliche Gesundheit der Wirbelsäule entsteht nicht allein aus einem Laborwert.
Sie ist das Ergebnis eines hochkomplexen Zusammenspiels aus:
Genetik,
Anatomie,
Statik,
Bindegewebe,
Muskulatur,
Gewicht,
Bewegung,
Aufzucht,
sowie verantwortungsvoller Zuchtselektion.
Genau deshalb betrachten wir den Welsh Corgi nicht isoliert über einen DNA-Test, sondern immer als biologisches Gesamtsystem.
Ein tiefgehender Faktencheck über Genetik, Bandscheibengesundheit, Anatomie, Zuchtverantwortung und die biologische Realität hinter der öffentlichen CDDY-Debatte.
Unser Zwei-Stufen-Konzept für die Rückengesundheit
Die Gesundheit unserer Hunde steht für uns an oberster Stelle. Besonders beim Welsh Corgi spielt die Rückengesundheit eine zentrale Rolle. Deshalb verlassen wir uns nicht auf theoretische Annahmen oder pauschale Laborbewertungen, sondern auf konkrete tiermedizinische Diagnostik und die tatsächliche Anatomie des einzelnen Hundes.
Unser Zuchtkonzept basiert auf einem klaren, zweistufigen Röntgensystem.
Stufe 1: Der Vorbefund ab 12 Monaten – Schutz vor der Trächtigkeit
Vor dem ersten Zuchteinsatz erfolgt eine umfassende Untersuchung der Wirbelsäule und des Beckens.
Dabei prüfen wir insbesondere:
das Vorliegen oder den Ausschluss von Keilwirbeln,
die allgemeine Knochenstatik,
die Geradlinigkeit der Wirbelsäule,
die mechanische Belastbarkeit,
sowie die Form des Beckens und den freien Geburtskanal.
Nur Hündinnen mit harmonischer Anatomie und unauffälligem Befund erhalten die Freigabe für die Zucht.
Dieses Vorgehen dient nicht nur dem Schutz der zukünftigen Welpen, sondern vor allem der Gesundheit der Mutterhündin. Eine stabile Wirbelsäule und ein korrektes Becken minimieren das Risiko mechanischer Überlastungen während der Trächtigkeit und senken die Gefahr von Schwergeburten erheblich.
Stufe 2: Der Endbefund ab dem 2. Lebensjahr – Die finale Absicherung
Da die biologische Reifung der Bandscheiben beim Corgi erst im Erwachsenenalter vollständig abgeschlossen ist, erfolgt ab dem zweiten Lebensjahr ein finales Hauptröntgen.
Erst in diesem Alter lässt sich der tatsächliche Zustand der Bandscheiben wissenschaftlich belastbar beurteilen.
Dieser Endbefund dient der langfristigen gesundheitlichen Absicherung innerhalb der Zucht und ergänzt den frühen Vorbefund um eine endgültige phänotypische Bewertung.
👁️ Der entscheidende Vergleich: Mensch und Corgi im direkten Risiko-Vergleich
Die öffentliche Diskussion rund um das CDDY-Gen wird heute häufig emotional, verkürzt und stark vereinfacht geführt. Gerade in sozialen Medien, in populären Qualzucht-Debatten oder durch kommerzielle Gentest-Anbieter entsteht oft der Eindruck, als sei ein positiver CDDY-Befund automatisch gleichbedeutend mit einem schwer kranken Hund.
Ein sachlicher Blick auf die tatsächliche Veterinärmedizin, die Biomechanik der Wirbelsäule und die klinische Realität zeigt jedoch ein wesentlich differenzierteres Bild.
Besonders aufschlussreich ist der direkte Vergleich zwischen Mensch und Welsh Corgi.
Beim Menschen zeigen MRT- und CT-Studien seit Jahren, dass ein erheblicher Anteil völlig beschwerdefreier Personen Bandscheibenveränderungen besitzt, ohne jemals Schmerzen oder neurologische Ausfälle zu entwickeln.
Genau dieses biologische Phänomen beobachten wir auch beim Welsh Corgi.
Das CDDY-Gen führt biologisch vermutlich zwar zu einer beschleunigten Alterung beziehungsweise Austrocknung des Bandscheibengewebes, doch in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle bleibt dieser Befund lebenslang klinisch stumm .
Das bedeutet: Der Befund existiert im Labor oder im Bildgebungsverfahren – jedoch ohne Schmerzen, ohne neurologische Ausfälle und ohne klinische Einschränkungen im Alltag.
Der Hund lebt völlig normal, bewegt sich frei, arbeitet, läuft, springt und erreicht ein hohes Alter ohne jegliche Rückenprobleme.
🧬 Warum Anatomie, Statik und Biomechanik die reine Genetik häufig übertreffen
Die drei entscheidenden Faktoren
Ob aus einer theoretischen genetischen Veranlagung tatsächlich eine Erkrankung entsteht, wird in der Praxis vor allem durch drei Faktoren bestimmt:
1. Die Tiefenmuskulatur
Eine kräftige, gut entwickelte Rückenmuskulatur stabilisiert die Wirbelsäule aktiv und reduziert Belastungsspitzen auf die Bandscheiben.
2. Das Körpergewicht
Übergewicht erhöht die mechanische Last auf die Wirbelsäule massiv.
Gerade beim langgestreckten Körperbau des Corgis wirken zusätzliche Kilogramm wie ein physikalischer Hebel auf die Lendenwirbelsäule.
3. Die knöcherne Statik
Fehlstellungen und Deformationen der Wirbelsäule sind biomechanisch deutlich gefährlicher als ein isolierter Genstatus.
Beim Menschen sind dies beispielsweise Skoliosen oder Fehlhaltungen.
Beim Hund sind insbesondere relevant:
Keilwirbel,
Blockwirbel,
verkrümmte Rückenlinien,
sowie asymmetrische Belastungsverhältnisse.
Diese statischen Fehlbelastungen führen langfristig zu mechanischer Traumatisierung der Bandscheiben – unabhängig vom Genstatus.
Schonende Belastung, Muskelaufbau, Vermeidung von Überlastung
🧬 Der Mythos der Chondrodystrophie
Warum das sogenannte „Zwergenwuchs-Gen“ biologisch missverstanden wird
Das FGF4-Retrogen auf Chromosom 12 wird häufig vereinfacht als „Zwergenwuchs-Gen“ dargestellt.
Die Realität ist jedoch wesentlich komplexer.
Das Skelettwachstum eines Hundes wird nicht durch ein einzelnes Gen gesteuert, sondern durch das Zusammenspiel zahlreicher Wachstumsfaktoren und genetischer Systeme.
Dazu gehören unter anderem:
IGF1,
IGF1R,
HMGA2,
STC2,
GHR,
sowie viele weitere Wachstumsregulatoren.
Deshalb existieren innerhalb derselben Rasse erhebliche Größenunterschiede.
Das Größen-Paradoxon
Es existieren homozygote CDDY/CDDY-Corgis mit deutlich größerem, kräftigerem Rahmen und harmonischer Statik.
Gleichzeitig gibt es genetisch freie Hunde anderer Linien mit deutlich kleinerem Körperbau.
Dies zeigt:
Das CDDY-Gen allein bestimmt weder die endgültige Körpergröße noch automatisch die klinische Gesundheit.
Ein großer, kräftig gebauter Hund mit stabiler Anatomie besitzt biomechanische Vorteile:
längere Hebel,
bessere Lastverteilung,
geringere Druckspitzen,
stabilere Belastungsverhältnisse.
Dadurch kann die Wirbelsäule trotz genetischer Anlage völlig unauffällig altern.
🦴 Die Bedeutung einer geraden Wirbelsäule
Eine harmonische, gerade und auch keilwirbelfreie Wirbelsäule ist biomechanisch einer der wichtigsten Schutzfaktoren überhaupt.
Hier entscheidet sich in der Praxis häufig, ob ein Hund trotz genetischer Belastung gesund altert oder ob sich durch Fehlstatik langfristig mechanische Schäden entwickeln.
Die Bandscheibe ist ein elastischer Stoßdämpfer.
Sie funktioniert optimal, wenn der Druck gleichmäßig und symmetrisch verteilt wird.
Sind die Wirbelkörper korrekt geformt:
liegt die Bandscheibe stabil,
entstehen keine asymmetrischen Scherkräfte,
bleibt die Belastung gleichmäßig verteilt.
Keilwirbel oder ein hängender Rücken hingegen erzeugen statische Knickpunkte.
Dadurch entstehen:
permanente Fehlbelastungen,
asymmetrischer Druck,
lokale Überlastung,
und langfristige mechanische Schädigungen.
In solchen Fällen spielt der Genstatus oft nur noch eine untergeordnete Rolle.
Die Statik entscheidet über die Belastung.
💪 Die unsichtbaren Schutzsysteme der Wirbelsäule
Bindegewebe
Ein kräftiges, straffes Bindegewebe stabilisiert die Wirbelkörper zusätzlich und begrenzt die Möglichkeit eines Bandscheibenvorfalls.
Tiefenmuskulatur
Die kleinen, tief liegenden Rückenmuskeln stabilisieren jeden einzelnen Wirbel aktiv.
Sie wirken wie ein biologischer Schutzverband.
Gut bemuskelte Hunde kompensieren Belastungen deutlich effektiver.
Körpergewicht
Übergewicht stellt den größten vermeidbaren Risikofaktor dar.
Fettgewebe stabilisiert die Wirbelsäule nicht.
Es erhöht lediglich die Last auf Bandscheiben und Gelenke.
Beim Corgi verstärkt die Hebelwirkung des langen Rückens diese Belastung zusätzlich.
🧪 Die wissenschaftliche Realität des CDDY-Tests
Zwischen Genetik, Statistik und klinischer Realität
Was der Test tatsächlich aussagt
Der DNA-Test weist die Mutation technisch zuverlässig nach.
Er zeigt:
ob ein Hund das CDDY-Gen trägt,
und ob er es weitervererbt.
Was der Test jedoch nicht leisten kann:
die Vorhersage eines tatsächlichen Bandscheibenvorfalls,
die Bewertung der Anatomie,
die Einschätzung der Muskelqualität,
die Beurteilung der Statik,
oder die klinische Prognose des Einzeltieres.
Gerade beim Pembroke Welsh Corgi ist die Mutation weltweit nahezu vollständig in der Population fixiert.
Das bedeutet biologisch: Nahezu jeder Pembroke trägt dieses Gen.
Dadurch unterscheidet sich die Situation beim Pembroke Welsh Corgi erheblich von klassischen monogenen Defekterkrankungen, bei denen gesunde und betroffene Populationen klar voneinander getrennt werden können.
Dadurch besitzt der Test innerhalb dieser Population nur einen begrenzten praktischen Selektionswert, da kaum genetisch freie Vergleichstiere existieren.
Die klinische Aussagekraft für das individuelle Einzeltier bleibt deshalb deutlich eingeschränkter als häufig öffentlich dargestellt wird.
Ein Ausschluss aller CDDY/CDDY-Hunde würde die Rasse biologisch praktisch eliminieren.
📊 Aussagekraft der wissenschaftlichen Studien
Die Entdeckung des FGF4-Retrogens basiert auf umfangreichen populationsgenetischen Untersuchungen.
Bereits die ursprünglichen Studien umfassten mehrere tausend Hunde unterschiedlichster Rassen.
Die wissenschaftliche Aussagekraft bezüglich der Häufigkeit des Gens gilt als hoch.
Tatsächlich gab es in der gesamten untersuchten Corgi-Gruppe der Studie keinen einzigen Hund ohne das Risiko-Allel. Das untermauert wissenschaftlich exakt Ihre Kritik an den statistischen Vergleichen: [1, 2]
Die nackten Zahlen aus der Bannasch-Studie (2017)
Für die Rasse Pembroke Welsh Corgi wurden in der Studie insgesamt 63 Hunde genetisch auf das CDDY-Gen (CFA12-FGF4-Retrogen) getestet: [1]
CDDY/CDDY (Reinerbig betroffen): 45 Hunde
N/CDDY (Mischerbig betroffen): 15 Hunde
N/N (Frei / Kontrollgruppe):0 Hunde
(Bei 3 Hunden konnte das Gen nicht eindeutig bestimmt werden). [1]
Was bedeutet das faktisch ?
Wissenschaftlich belegte Verzerrung: Die Statistik, die ein „5- bis 15-fach erhöhtes Risiko“ ausweist, basiert also auf dem Vergleich von Kurzbeinen mit Langbeinen. Sie ignoriert völlig, dass der Corgi trotz einer Mutationsrate von fast 100 % in der tierärztlichen Praxis eine völlig andere (deutlich niedrigere) IVDD-Erkrankungsrate zeigt als beispielsweise der Dackel. [1, 2, 3]
Keine rasseinterne Kontrollgruppe möglich: Da die Frequenz des CDDY-Gens beim Pembroke Welsh Corgi in der untersuchten Population bei 98 % lag (nahezu fixiert), existierte in der Studie überhaupt keine gesunde, genfreie Corgi-Kontrollgruppe, mit der man das reale Krankheitsrisiko innerhalb derselben anatomischen Verhältnisse hätte vergleichen können. [1]
Unerlaubter Äpfel-mit-Birnen-Vergleich: Um statistisch überhaupt eine Aussage treffen zu können, musste die Studie das Krankheitsrisiko von Corgis (die zu fast 100 % betroffen sind, aber anatomisch stabilere Rücken aufweisen) mit komplett anderen, hochanatomischen Rassen (wie Windhunden, Labrador Retrievern etc.) zusammenwerfen. [1, 2]
Wichtig ist jedoch die korrekte Interpretation:
Hohe Aussagekraft für den Genstatus
Der Test zeigt zuverlässig an, ob die Mutation vorhanden ist.
Eingeschränkte Aussagekraft für die klinische Realität
Die Erkrankung ist multifaktoriell.
Das tatsächliche Risiko hängt zusätzlich ab von:
Anatomie,
Bemuskelung,
Gewicht,
Bewegung,
Belastungsmustern,
sowie weiteren genetischen Faktoren.
Deshalb bleiben viele Corgis trotz genetischer Anlage lebenslang klinisch unauffällig.
🏛️ Die rechtliche Situation in Deutschland
Das Tierschutzgesetz und die Einzelfallprüfung
Nach § 11b TierSchG ist entscheidend, ob bei Nachkommen Schmerzen, Leiden oder Schäden zu erwarten sind.
Ein isolierter Genstatus reicht hierfür allein nicht aus. Er ist nicht Gerichtsfest.
Maßgeblich ist die konkrete gesundheitliche Situation des einzelnen Hundes.
Daher besitzt die phänotypische Untersuchung – insbesondere das Wirbelsäulenröntgen – eine zentrale Bedeutung.
Gesamtabgleich: Corgi, CDDY und die Argumentation gegenüber dem Veterinäramt
Thema / Bereich
Aspekt / Frage
Ergebnis, Regelung & Bedeutung
Ausstellung
Ausschluss wegen CDDY/CDDY?
Ja. Laut § 10 TierSchHuV gilt das Gen als Qualzuchtmerkmal (erhöhtes Risiko für Bandscheibenvorfälle).
Vorläufiges Röntgen
Was bringt das Röntgen mit 12 Monaten?
Sehr wenig. Es gilt nur als vorläufiger Zwischenstand. Verkalkungen können sich danach im Alter von 3–6 Jahren trotzdem noch entwickeln.
Anerkennung mit 12 Mon.
Akzeptiert das Amt den 12-Monats-Befund?
Meistens nicht. Da das Ergebnis unzuverlässig ist, reicht es den Behörden in der Regel nicht aus, um ein Ausstellungsverbot abzuwenden.
Zeitpunkt (Final)
Wann wird das finale IVDD-Röntgen gemacht?
Zwischen dem 24. und 42. Monat. Erst dann ist das Skelett voll gereift und Verkalkungen haben ihren Höchststand erreicht.
Diagnose-Ergebnis
Welche offiziellen Grade (IDD) gibt es ab 24 Mon.?
Sehr hoch. Im Gegensatz zum 12-Monats-Röntgen liefert das Ergebnis ab 2 Jahren eine wissenschaftlich verlässliche Prognose.
Bedeutung fürs Amt
Was bringt ein IDD 0 Befund beim Veterinäramt?
Bestes Argument. Es beweist wissenschaftlich, dass die Genmutation beim Hund zu keinem Schaden geführt hat. Hebelt die pauschale Qualzucht-Vermutung aus.
Rechte des Amtes (Züchter)
Darf das Amt das Röntgen ab 2 Jahren erzwingen?
Ja. Wer öffentlich ausstellt oder züchtet, unterliegt den Kontrollrechten des Amtes zur Überprüfung der TierSchHuV.
Rechte des Amtes (Privat)
Darf das Amt das Röntgen von Familienhunden verlangen?
Nein, das geht zu weit. Ohne konkreten Verdacht auf Tierquälerei oder akute, unbehandelte Schmerzen (§ 16a TierSchG) hat das Amt kein Recht dazu.
⚠️ DER RECHTSKONFLIKT
Zukunftsbeweis vs. Gegenwart
Sie müssen die Zukunft nicht beweisen. Das Gesetz verlangt nur den Nachweis der aktuellen Freiheit von Schmerzen, Leiden und Schäden am Ausstellungstag. Das Amt versucht jedoch oft fälschlicherweise, ein reines Zukunftsrisiko als aktuellen Schaden zu werten.
⚠️ DER RECHTSKONFLIKT
Gerichtsfestigkeit des Gentests
Der reine Gentest ist nicht gerichtsfest. Ein Gen (CDDY) zeigt nur ein Risiko, keinen tatsächlichen Befund. Gerichte fordern daher zunehmend phänotypische (sichtbare) Beweise (wie klinische Untersuchungen), statt Hunde allein wegen eines Laborzettels auszuschließen.
💡 IHRE STRATEGIE
„Heute mit 12 Monaten gesund!“
Ihr Hauptargument. Das Gesetz greift nur bei vorhandenen Schäden. Ein frisches Attest über die absolute Symptomfreiheit am Tag der Ausstellung hebelt die pauschale Sperre des Amtes aus, da der Hund im Hier und Jetzt gesund ist.
⚖️ DER ESKALATIONS-SCHRITT
Wer entscheidet im Streitfall?
Gutachter & Richter. Bleibt das Amt stur, entscheidet die Behörde nicht mehr final. Unabhängige medizinische Gutachter müssen den Zustand des Hundes bewerten und Verwaltungsrichter prüfen, ob das Amt seine Kompetenzen überschritten hat.
Urteile :
. Wegweisendes Urteil des Verwaltungsgerichts (VG) Düsseldorf (Az. 23 K 7084/22)
Der Fall: Es ging um die Frage, ob verdeckte (nicht sofort sichtbare) Qualzuchtmerkmale zu einem automatischen Ausschluss führen. Das Amt wollte Hunde pauschal verbieten. [, 2]
Das Ergebnis: Das Gericht stellte klar, dass das Ausstellungsverbot zwar auch für verdeckte Merkmale gilt, die Behörde aber eine hochsignifikante Assoziation und eine konkrete Gefahr im Einzelfall nachweisen muss. [1]
Der Bezug zum Corgi: Da Sie mit 12 Monaten ein tierärztliches Attest vorlegen können, das die aktuelle Schadens- und Symptomfreiheit beweist, entkräften Sie diese „konkrete Gefahr“ für den Ausstellungstag. Die Richter folgen in solchen Eilverfahren meist dem aktuellen klinischen Befund.
3. Rechtlicher Status von Zukunfts-Prognosen
Es gibt im deutschen Tierschutzrecht kein Urteil, das einen Halter dazu verpflichtet, die Gesundheit eines Tieres für die nächsten Jahre zu garantieren.
Wenn der Hund am Tag X nachweislich schmerzfrei läuft, keine neurologischen Ausfälle hat und das Gangbild normal ist, erklären Richter ein behördliches Verbot im normal Fall für ungültig.
Verwaltungsgerichtliche Praxis: Richter prüfen bei Ausstellungen ausschließlich die Rechtmäßigkeit des Verbots für den spezifischen Tag der Veranstaltung.
Der rechtliche Grundsatz „Niemand ist zu Unmöglichem gezwungen“ (lateinisch: Impossibilium nulla obligatio est) bedeutet in diesem Bezug, dass das Veterinäramt von Ihnen rechtlich nichts verlangen darf, was medizinisch oder wissenschaftlich überhaupt nicht machbar ist.
Auf Ihren Fall bezogen bedeutet das zwei konkrete Dinge:
1. Sie können die Zukunft nicht beweisen
Das Amt darf die Zulassung zur Ausstellung nicht davon abhängig machen, dass Sie garantieren, dass der Corgi in zwei, vier oder sechs Jahren keinen Bandscheibenvorfall erleidet.
Da niemand in die Zukunft sehen kann und es für CDDY/CDDY keine 100-prozentige Erkrankungsrate gibt, wäre diese Forderung eine unmögliche Leistung.
Ein Verwaltungsgericht würde eine solche behördliche Auflage sofort als rechtswidrig kippen, da Behörden nur erfüllbare Auflagen erlassen dürfen.
2. Ein fehlerfreies Röntgenbild mit 12 Monaten ist unmöglich
Wenn das Amt von Ihnen ein gerichtsfestes oder finales Röntgenbild fordert, während der Hund erst 12 Monate alt ist, verlangt es ebenfalls das Unmögliche.
Wissenschaftlich steht fest, dass die Kalkdepots der Bandscheiben in diesem Alter oft noch gar nicht existieren, sondern erst ab dem 24. Monat sichtbar werden.
Sie können dem Amt also mit 12 Monaten kein „final sicheres“ Bild geben, weil die Natur des Hundes das in diesem Alter noch gar nicht hergibt.
📸 Warum das Röntgen klinisch entscheidend ist
Das Röntgen zeigt die tatsächliche anatomische Realität.
Es macht sichtbar:
Keilwirbel,
Blockwirbel,
Verkalkungen,
Spondylosen,
Statik,
Belastungsverhältnisse,
und die reale Struktur der Wirbelsäule.
Während der Gentest lediglich eine theoretische genetische Grundlage beschreibt, zeigt das Röntgen den tatsächlichen biologischen Zustand.
Das Zeitfenster der Untersuchung
Vorbefund ab 12 Monaten
Der frühe Befund liefert eine wertvolle erste Einschätzung der anatomischen Qualität und der klinischen Gesundheit.
Finaler Befund ab 24 Monaten
Erst ab dem zweiten Lebensjahr erreicht die Aussagekraft bezüglich der Bandscheibenverkalkung ihr wissenschaftlich anerkanntes Maximum.
Daher betrachten wir den frühen Befund als wichtigen ersten Schritt und den späteren Endbefund als finale Absicherung.
⚖️ Der Umgang mit Behörden und Veterinärämtern
Ein pauschales Zuchtverbot ausschließlich auf Grundlage eines positiven CDDY-Tests ist aus fachlicher und rechtlicher Sicht problematisch.
Nach deutschem Tierschutzrecht ist stets die konkrete gesundheitliche Situation des einzelnen Tieres entscheidend und nicht allein das Vorliegen eines theoretischen Risikofaktors.
Da die Mutation beim Pembroke Welsh Corgi nahezu vollständig verbreitet ist, wäre ein genereller Ausschluss praktisch einem Rasseverbot gleichzusetzen.
Entscheidend bleibt daher die individuelle gesundheitliche Bewertung des einzelnen Hundes.
Ein klinisch gesunder, gut bemuskelter und radiologisch unauffälliger Hund besitzt eine völlig andere praktische Relevanz als eine theoretische Risiko-Statistik.
Deshalb setzen wir auf:
transparente Diagnostik,
tierärztliche Dokumentation,
offizielle Gesundheitsuntersuchungen,
sowie nachvollziehbare phänotypische Beurteilungen.
🧬 Natural Bobtail (NBT) und IVDD
Die angeborene Stummelrute (NBT) wird häufig fälschlicherweise mit Bandscheibenproblemen in Verbindung gebracht.
Tatsächlich handelt es sich jedoch um zwei völlig unterschiedliche genetische Systeme.
Wichtig:
Das NBT-Gen erhöht das IVDD-Risiko nicht.
Die Mutation betrifft primär die embryonale Entwicklung der Rutenwirbel.
Die tragende Hauptwirbelsäule bleibt davon grundsätzlich unberührt.
📌 Unsere Zuchtphilosophie
Wir vertreten eine verantwortungsvolle, moderne und wissenschaftlich orientierte Zuchtphilosophie.
Dabei betrachten wir niemals isolierte Laborwerte, sondern immer das Gesamttier mit seiner individuellen Anatomie, seiner Belastbarkeit, seinem Wesen und seiner tatsächlichen klinischen Gesundheit.
Wir orientieren uns nicht an pauschalen Schlagworten oder vereinfachten Laborbewertungen.
Für uns zählt der reale Hund:
seine Anatomie,
seine Stabilität,
seine Bemuskelung,
seine Bewegungsqualität,
sein Gewicht,
sowie seine klinische Gesundheit.
Deshalb verbinden wir:
1. Wissenschaftliche Diagnostik
Wirbelsäulenröntgen,
anatomische Beurteilung,
Gesundheitskontrollen,
strukturierte Zuchtplanung.
2. Biomechanische Vernunft
Fokus auf korrekte Statik,
harmonischen Körperbau,
stabile Rückenlinien,
und gesunde Bewegungsabläufe.
3. Verantwortungsvolle Haltung
konsequentes Gewichtsmanagement,
gezielter Muskelaufbau,
kontrollierte Bewegung,
und Vermeidung unnötiger Überlastungen.
🏆 Unser abschließendes Fazit
Das CDDY-Gen ist beim Pembroke Welsh Corgi ein rassetypisches Merkmal.
Es beschreibt eine genetische Grundlage, aber kein unvermeidbares Schicksal.
Die tatsächliche Gesundheit eines Hundes wird in der Praxis wesentlich stärker beeinflusst durch:
Anatomie,
Statik,
Bemuskelung,
Gewicht,
Haltung,
Bewegung,
und verantwortungsvolle Zuchtselektion.
Der Gentest allein liefert daher keine ausreichende Aussage über die klinische Zukunft eines einzelnen Hundes.
Entscheidend ist der reale Phänotyp.
Deshalb setzen wir auf:
frühzeitige Diagnostik,
objektive Röntgenbefunde,
biomechanisch stabile Linien,
und gesunde, lebensfrohe Hunde.
Wir züchten keine Laborwerte.
Wir betrachten Hunde nicht als statistische Datensätze, sondern als lebendige Individuen mit komplexer Biologie, eigener Anatomie und tatsächlicher Lebensqualität.
Deshalb steht für uns nicht die theoretische Diskussion im Vordergrund, sondern die praktische Verantwortung:
gesunde Anatomie,
belastbare Wirbelsäulen,
stabile Statik,
kontrollierte Aufzucht,
nachhaltige Gesundheitsvorsorge,
und ein möglichst langes, schmerzfreies Leben unserer Hunde.
Unser Ziel ist kein perfekter Laborwert.
Unser Ziel ist ein anatomisch harmonischer, klinisch gesunder und lebensfroher Welsh Corgi mit hoher Lebensqualität.
🏆 Schlussgedanke
Die moderne Hundezucht darf weder von Emotionen noch von vereinfachten Schwarz-Weiß-Debatten bestimmt werden.
Weder ein einzelner Gentest noch pauschale Vorurteile können die biologische Realität eines Hundes vollständig erfassen.
Entscheidend bleibt immer das Zusammenspiel aus:
tatsächlicher Anatomie,
klinischer Untersuchung,
biomechanischer Stabilität,
verantwortungsvoller Haltung,
und langfristiger Gesundheitskontrolle.
Genau deshalb setzen wir auf Transparenz, Diagnostik, Wissen und Verantwortung.
Denn echte Gesundheitsvorsorge entsteht nicht durch Angst, sondern durch Verständnis.
Und genau dieses Verständnis möchten wir mit unserer Zucht und unserer Aufklärungsarbeit weitergeben.
Zwischen Genetik und Züchterherz: Warum ein „Weiter so“ nicht reicht und Outcross unser Notfallprotokoll ist
Wer mich und unsere Zucht kennt, weiß: Wir sind keine Schablonenzüchter. Wir züchten keine bloßen Zahlenkolonnen, wir jagen keinen theoretischen Laborwerten hinterher und wir lassen uns unsere Passion nicht von rein theoretischen Tabellen diktieren. Ein Hund ist ein komplexes Lebewesen – ein Zusammenspiel aus Anatomie, Wesen, Langlebigkeit und Typ.
Wir haben auf unserer Seite intensiv die rechtlichen Grauzonen, die Argumentationshilfen gegenüber Behörden und die Möglichkeiten der biomechanischen Kompensation beleuchtet. Ja, das sind Werkzeuge, um im Hier und Jetzt handlungsfähig zu bleiben. Aber als verantwortungsvolle Züchter dürfen wir uns diese juristischen Pflaster nicht als dauerhafte Heilung verkaufen. Wir müssen ehrlich zu uns selbst sein: Wir wissen heute schlichtweg nicht, ob das rein phänotypische Management des CDDY-Gens auf Dauer ausreicht.
Das Dilemma mit den „freien“ Linien und dem Rassetyp
In der Theorie klingt es einfach: Man sucht sich die wenigen Tiere, die frei vom schädlichen CDDY-Gen sind, und baut darauf die Zukunft auf. Schaut man sich jedoch andere betroffene Rassen an, die diesen Weg versucht haben, zeigt sich eine biologische Wahrheit, die mir als Züchter oft echtes Bauchschmerzen bereitet hat: Aber es gibt auch schon wirklich gute Erfolge ,soweit man es beurteilen kann. Aber so rein Optisch , schon schick.
Wenn der genetische Druck zu extrem wird und man sich radikal auf ein einziges Gen fixiert, verändert sich der Typ der Hunde massiv. Es dauert oft Generationen, bis sich der vertraute, harmonische Rassetyp in diesen Linien überhaupt wieder halbwegs stabilisiert. Und noch viel schlimmer für unsere Pembroke-Zucht: Wir wissen zum aktuellen Zeitpunkt überhaupt nicht, ob wir in der weltweiten Population noch ausreichend gesunde Träger finden, um den Genpool ohne massive Inzuchtdepression am Leben zu erhalten.
Wenn die Daten offengelegt werden und sich herausstellt, dass wir uns in einer genetischen Sackgasse befinden, bricht das Kartenhaus der bloßen „Symptomverwaltung“ zusammen.
Das Notfallprotokoll: Der kontrollierte Weg ins CDPA-Gen
Wenn die rasseinterne Sanierung scheitert, dürfen wir nicht tatenlos zusehen, wie unsere Rasse rechtlich oder gesundheitlich vor die Hunde geht. Für diesen Fall müssen wir schon heute das Notfallprotokoll bereithalten: Ein wissenschaftlich begleitetes Outcross-Projekt.
Das Ziel eines solchen Projekts ist es nicht, den Corgi neu zu erfinden, sondern seine typische Kurzbeinigkeit von dem krankmachenden CDDY-Gen auf das gesundheitlich unbedenklichere CDPA-Gen (Chondrodysplasie) umzustellen. Während CDDY die Bandscheiben systematisch verkalken lässt, sorgt CDPA für die gewünschten kurzen Beine, lässt die Wirbelsäule aber so elastisch und gesund wie die eines wolfsähnlichen Hundes.
Dank der klassischen Genetik ist dieser Weg kein unkontrollierbares Glücksspiel, sondern mathematisch präzise steuerbar.
Das genetische Rechenbeispiel (Mendel-Quadrat)
Nehmen wir die erste Kreuzung (F1-Generation) unseres Notfallprotokolls:
Elternteil 1 (Unser Corgi): Homozygot betroffen (CDDY / CDDY) und ohne CDPA (cdpa / cdpa).
Elternteil 2 (Sorgsam gewählter Outcross-Partner): Völlig frei von CDDY (N / N) und Träger des gesunden Kurzbein-Gens (CDPA / CDPA).
Das Kombinationsquadrat für die Welpen zeigt die absolute Vorhersehbarkeit im Labor:
N (Frei) / CDPA
N (Frei) / CDPA
CDDY / cdpa
N / CDDY + N / CDPA
N / CDDY + N / CDPA
CDDY / cdpa
N / CDDY + N / CDPA
N / CDDY + N / CDPA
Das Ergebnis der F1-Generation ist ein Meilenstein:
100 % der Welpen sind sofort mischerbig frei von der homozygoten Belastung. Sie tragen das gefährliche Gen nur noch einfach (N/CDDY) und besitzen gleichzeitig das gesunde N/CDPA-Gen.
Das Risiko für frühzeitige, schwere Bandscheibenvorfälle (IVDD Typ I) sinkt bereits in dieser allerersten Generation drastisch.
Die Rückkreuzung: Zurück zum Typ
In den darauffolgenden Generationen (F2 bis F5) werden die Nachkommen konsequent wieder mit phänotypisch herausragenden Vertretern unserer Ursprungsrasse verpaart. Durch einen einfachen DNA-Test im Welpenalter selektieren wir ausschließlich diejenigen Welpen für die Weiterzucht, die das schädliche CDDY-Gen komplett verloren haben (N/N), aber das gesunde CDPA-Gen weitertragen.
Nach nur wenigen Generationen schließt sich der Kreis: Wir erhalten Hunde, die optisch zu 99 % dem gewohnten, geliebten und korrekten Rassestandard entsprechen, deren Bandscheiben jedoch genetisch vermutlich vollkommen gesund sind.
Unser Fazit: Transparenz fordern, auf den Ernstfall vorbereitet sein
Wir verschließen die Augen nicht vor der Realität. Unser erster Appell gilt der bedingungslosen Offenlegung aller Gesundheitsdaten und Befunde innerhalb der Züchterwelt . Wir müssen wissen, wie es um das Herz unserer Rasse wirklich steht.
Sollte uns diese ehrliche Bestandsaufnahme jedoch zeigen, dass die Rasse aus sich selbst heraus nicht mehr gesunden kann, werden wir nicht jammern oder den Kopf in den Sand stecken. Wir werden den Mut haben, das Notfallprotokoll zu aktivieren. Ein transparentes Outcross-Programm ist kein Verrat am Corgi – es ist seine ultimative Lebensversicherung für die Zukunft. Dieser Schritt ist bereits 2027 in Finnland geplant.
Die Zukunft des Corgis sichern: Vom Management des CDDY-Gens zum aktiven Weg ins CDPA-Gen
Die Diskussion rund um das CDDY-Gen (Chondrodystrophie) und das damit verbundene Risiko für Bandscheibenvorfälle (IVDD) spaltet die Zuchtwelt. Auf der einen Seite stehen strenge regulatorische Anforderungen der Veterinärämter, auf der traditionellen Seite das verständliche Argument: „Wir können nicht über Nacht die gesamte Population ausschließen, ohne die Rasse genetisch zu ruinieren.“
Es stimmt: Ein pauschales, sofortiges Zuchtverbot für alle CDDY/CDDY-Hunde würde die ohnehin engen Genpools kollabieren lassen. Doch das Verharmlosen des Gens oder das reine Verlassen auf biomechanische Kompensation (wie eine gute Muskulatur) reicht langfristig nicht aus, um unsere Rasse gesundheitlich und rechtlich zukunftssicher aufzustellen.
Wir müssen aufhören, ein unheilbares Gen nur zu verwalten. Wir müssen die Werkzeuge der modernen Genetik nutzen – angefangen bei totaler Datentransparenz bis hin zum gezielten Weg ins gesunde CDPA-Gen.
Schritt 1: Die unumgängliche Basis – Offengelegte Daten
Bevor wir überhaupt über radikale Veränderungen nachdenken können, brauchen wir ein verlässliches Fundament: totale Transparenz. Solange Gen-Testergebnisse der aktuellen Träger und auch Röntgenbefunde (auf Bandscheibenverkalkung) nicht Öffentlich zugänglich sind ,wird das schwer.
Wir fordern eine offene, für jeden zugängliche Datenbank, in der alle Zuchthunde verpflichtend mit ihren genetischen Befunden und ihren radiologischen Auswertungen gelistet sind. Nur so können wir:
Die echten Risiken innerhalb bestimmter Linien mathematisch erfassen.
Brückenhunde identifizieren, die trotz CDDY-Gen eine phänotypisch überragend kalkfreie Wirbelsäule vererben.
Erkennen, wie hoch der reale Prozentsatz an gesunden Gen-Alternativen in der aktuellen Population überhaupt noch ist.
Die bittere Realität zeigt jedoch schon jetzt: Wenn diese Daten offengelegt werden und sich heraushebt, dass die genetische Varianz gegen Null läuft, dürfen wir den Kopf nicht in den Sand stecken. Falls die Daten zeigen, dass die Rasse rein aus sich heraus nicht mehr gesunden kann, müssen wir langfristig und konsequent über ein kontrolliertes Outcross-Projekt nachdenken.
Das biologische Ziel: CDDY vs. CDPA
Wenn ein Outcross nötig wird, geht es nicht darum, den Corgi „abzuschaffen“, sondern seine Kurzbeinigkeit auf eine gesunde genetische Basis zu stellen. Beide Gene sorgen für kurze Läufe, aber mit völlig unterschiedlichen Folgen für die Wirbelsäule:
CDDY (Chondrodystrophie): Dieses Gen verkürzt die Beine, führt aber gleichzeitig zu einer vorzeitigen, pathologischen Verkalkung und Austrocknung der Bandscheiben (hohes IVDD-Risiko).
CDPA (Chondrodysplasie): Dieses Gen bewirkt ebenfalls die gewünschten kurzen Beine, lässt die Bandscheiben jedoch völlig intakt. Sie bleiben elastisch wie bei einem langbeinigen Hund.
Die „Größen-Regulatoren“ neben den kurzen Beinen
Studien der Canine Genetics zeigen, dass beim Hund rund 20 bis 25 Hauptgene fast die gesamte Varianz der Körpergröße und des Gewichts bestimmen: [1]
Das IGF1-Gen (Wachstumsfaktor 1): Dieses Gen ist das wichtigste „Gaspedal“ für die allgemeine Körpergröße bei Hunden. Corgis tragen hier meist die Variante für kleinere bis mittlere Hunde, was verhindert, dass sie trotz ihrer stämmigen Statur die Masse einer Dogge erreichen. [1, 2]
Das SMAD2-Gen: Dieses Gen reguliert die Zellteilung und die Muskelmasse während der Embryonalentwicklung. Es entscheidet mit, wie kräftig der Corgi-Körper im Verhältnis zu den kurzen Beinen wird. [1]
GHR und GHSR (Wachstumshormon-Rezeptoren): Diese Gene steuern, wie empfindlich die Zellen auf Wachstumssignale reagieren. Sind die Rezeptoren blockiert oder weniger aktiv, bleibt der Hund kleiner, selbst wenn viel Wachstumshormon im Blut ist.
Das Prinzip der „genetischen Obergrenze“
Weil diese Gene wie ein fein abgestimmtes Orchester zusammenarbeiten, gilt beim Corgi:
Kein proportionales Wachstum: Das FGF4-Gen zieht eine harte biologische Grenze für die Beinlänge, egal wie stark andere Wachstumsgene pushen.
Die Gewichtskontrolle: Die restlichen ca. 20 Gene deckeln das gesunde Gewicht eines Pembroke Corgis genetisch bei etwa 10 bis 14 kg. Ein Corgi, der 20 kg wiegt, ist deshalb meist nicht „größer gewachsen“, sondern schlicht übergewichtig. [1, 2]
Die Genetik ist ein Netzwerk aus Kontrollen und Gegengewichten (Gegenspieler) . Ein Gen allein macht noch keinen Riesen, da die anderen 20+ Gene das Wachstum permanent abfedern und regulieren.
Die Bekämpfung von CDDY und IVDD erfordert ein langfristiges Engagement, bei dem moderne Diagnostik wie das Zwei-Stufen-Röntgen und KI-gestützte Analysen genutzt werden, um präzisere zuchtauswahlen zu treffen. Durch eine konsequente Datentransparenz, die Förderung der genetischen Vielfalt und den gezielten Wechsel zu CDPA kann die Lebensqualität der Corgis nachhaltig in der Zukunft gesichert werden.
Das Thema im Fokus: Ein Fazit
Wir haben diese Fragestellung nun von allen Seiten beleuchtet, Argumente abgewogen und verschiedene Perspektiven analysiert. Jede Medaille hat zwei Seiten – und genau das macht die Diskussion so spannend.
Der Beitrag liegt nun im Archiv bereit. Ich hoffe, er dient Ihnen als inspirierende Grundlage für eigene Gedanken und Diskussionen .