CDDY / CDPA

Stand: Oktober 2026

Unsere Position

Rückengesundheit ist beim Corgi das zentrale Gesundheitsthema. Wir nehmen den CDDY-Gentest ernst, halten ihn aber nicht für die ganze Antwort. Ein Gentest beschreibt ein Risiko, nicht den Gesundheitszustand eines einzelnen Hundes. Deshalb verbinden wir drei Dinge: Gentest, Röntgen und funktionalen Körperbau.

CDDY und CDPA – was ist der Unterschied?

Beide Varianten sind zusätzliche Kopien des Wachstumsgens FGF4 und verkürzen die Beine. Beim Corgi kommen beide vor.

CDPA (Chromosom 18)CDDY (Chromosom 12)
WirkungKurze BeineKurze Beine und frühe Bandscheibendegeneration
IVDD-RisikoNach heutigem Stand kein eigener Effekt auf die VerkalkungDeutlich erhöht (Hansen Typ I)
Erbgang für IVDD–Autosomal-dominant: Bereits eine Kopie kann das Risiko erhöhen. Ob ein Hund tatsächlich erkrankt, hängt von weiteren Faktoren ab.
Häufigkeit beim PembrokeAllelfrequenz ca. 98 %, praktisch fixiertAllelfrequenz ca. 83 %; rund 95 % der Hunde tragen mindestens eine Kopie (UC-Davis-Daten)

Was die Studien zeigen

  • Brown et al. 2017: Entdeckung von CDDY. Über viele Rassen hinweg ergab sich eine Odds Ratio von 51 für Bandscheibenvorfälle. Diese Zahl beruht auf einem Rassenvergleich.
  • Batcher et al. 2019: In Rassen, in denen CDDY variiert, sowie bei Mischlingen lag das Risiko für eine Bandscheiben-OP 5,5- bis 15-fach höher. CDDY-Träger wurden im Schnitt früher operiert (6,1 statt 8,5 Jahre).
  • Eine CDDY-Kopie weniger zählt: Verkalkte Bandscheiben fanden sich bei 85 % der Hunde mit zwei Kopien, bei 64 % mit einer und bei 19 % ohne CDDY. Achtung: Diese Werte stammen aus operierten Bandscheibenpatienten einer Tierklinik und sind nicht nach Alter bereinigt. Sie sind keine allgemeine Erkrankungswahrscheinlichkeit für Pembrokes.
  • Die Forscher betonen selbst, dass IVDD multifaktoriell ist. Körperbau, Bewegung, Gewicht und weitere, noch unbekannte Gene spielen mit.

Der Pembroke in Zahlen

In der Datensammlung der UC Davis (63 Pembrokes):

CDDY-KopienAnzahl
0 (frei)3
1 (N/CDDY)15
2 (CDDY/CDDY)45

Zur Einordnung: Die 83 % sind die Allelfrequenz (105 von 126 Genkopien). Der Anteil der Hunde mit mindestens einer CDDY-Kopie liegt bei 95 % (60 von 63).

Das heißt: Es gibt freie und mischerbige Corgis. Die CDDY-Frequenz lässt sich innerhalb der Rasse schrittweise senken, ohne die Kurzbeinigkeit zu verlieren, denn diese stellt CDPA sicher. Die Testergebnisse, die uns aus Deutschland (u. a. über LABOKLIN) bekannt sind, deuten jedoch auf eine deutlich höhere CDDY-Häufigkeit hin: In hiesigen Linien ist CDDY nahezu fixiert. Veröffentlichte Zahlen dazu gibt es unseres Wissens bisher nicht.

Woher die Zahlen stammen: Die Proben kommen überwiegend aus übrig gebliebenen Blutproben von Patienten der Tierklinik der UC Davis (Kalifornien, USA), zufällig gesammelt und unabhängig von einer IVDD-Diagnose; ergänzt um Proben der Vetsuisse-Biobank Bern (Schweiz). Es handelt sich also nicht um gezielt ausgewählte Zuchthunde, und ob die Hunde Papiere hatten, ist nicht angegeben. Die Stichprobe ist klein; in europäischen Zuchtlinien kann die Verteilung anders aussehen.

Was der Gentest kann – und was nicht

Der Test kann:

  • zuverlässig zeigen, ob ein Hund 0, 1 oder 2 Kopien trägt,
  • Verpaarungen planen, mit denen die CDDY-Frequenz sinkt.

Der Test kann nicht:

  • vorhersagen, ob ein bestimmter Hund einen Bandscheibenvorfall bekommt,
  • Anatomie, Bemuskelung, Gewicht oder Statik beurteilen.

Weitere Einflussfaktoren

Studien, überwiegend am Dackel, nennen als zusätzliche Risikofaktoren unter anderem den Körperbau (Verhältnis von Rumpf zu Beinlänge), Bewegung, Kastration und Gewicht. Wir achten deshalb auf:

  • harmonischen, funktionalen Körperbau ohne Übertreibung der Länge,
  • gute Bemuskelung und Normalgewicht,
  • eine Wirbelsäule ohne Keil- oder Blockwirbel.

Unser Zwei-Stufen-Röntgen

Stufe 1 – Vorbefund ab 12 Monaten: Kontrolle von Wirbelsäule und Becken (Keilwirbel, Blockwirbel, Statik, Geburtsweg). Hier geht es um den Knochenbau, noch nicht um die Bandscheiben. Nur Hunde mit unauffälligem Befund kommen in die Zucht.

Stufe 2 – Endbefund zwischen 24 und 48 Monaten: Standardisiertes Röntgen auf Bandscheibenverkalkungen, offiziell bewertet nach FCI-Schema (Grad 0 = frei bis Grad 3). Erst in diesem Alter ist die Verkalkung aussagekräftig beurteilbar.

Alle Befunde lassen wir FCI-konform erstellen, auch dort, wo es keine Pflicht ist. Die IVDD-Auswertung nach FCI-Schema steht – wie die HD-Auswertung – jedem Hund mit FCI-anerkannten Papieren offen, auch ohne Clubmitgliedschaft (Kosten: ca. 45 €). Wir empfehlen sie auch unseren Welpenkäufern.

Röntgen und Gentest ergänzen sich. Das Röntgen zeigt den Zustand des einzelnen Hundes, der Gentest zeigt, welche CDDY-Varianten er trägt und mit welcher Wahrscheinlichkeit er diese an seine Nachkommen weitergibt. Wichtig: Auch ein unauffälliges Röntgenbild schließt einen späteren Bandscheibenvorfall nicht aus.

Wie aussagekräftig das Röntgen trotzdem ist, zeigt eine aktuelle Studie mit über 4.000 Dackeln aus Großbritannien, Norwegen und Dänemark: Sie verweist auf Daten, nach denen die Häufigkeit von Rückenproblemen mit der Zahl verkalkter Bandscheiben deutlich steigt – von etwa 7 % ohne Verkalkung auf rund 69 % bei fünf und mehr Verkalkungen. Zugleich halten die Autoren fest, dass CDDY (FGF4L2) allein die Unterschiede zwischen den Dackel-Varianten nicht erklärt (Hopper et al. 2026).

Ehrlich gesagt ist auch das Röntgen kein Allheilmittel: Beim Dackel hat die Zucht nach Röntgenbefunden die Zahl verkalkter Bandscheiben bisher nur begrenzt gesenkt (Dickinson & Bannasch 2020). Deshalb setzen wir auf Gentest und Röntgen. Wir sind überzeugt, dass ein funktional gebauter Hund, der ausgewogen ernährt und angemessen bewegt wird, gesundheitliche Vorteile haben kann.

Unsere Hunde – Stand Oktober 2026

  • Vorbefund (12–15 Monate): Bei allen unseren Zuchthunden war die Wirbelsäule unauffällig, ohne Keil- oder Blockwirbel.
  • Selena ist älter als 4 Jahre und liegt damit außerhalb des Zeitfensters der Club-Auswertung (24–48 Monate). Daher kann sie in der offiziellen Auswertung nicht berücksichtigt werden. Sie hatte bis heute keinerlei Rückenprobleme, ist HD-frei (HD-A) und eine robuste Zuchthündin mit Würfen von bis zu 13 Welpen.
  • Alle übrigen Zuchthunde sind gerade 2 Jahre alt geworden; die Untersuchungen sind in Arbeit, die Termine für den Endbefund stehen fest. Die Ergebnisse veröffentlichen wir hier, sobald sie vorliegen. Die Auswertung erfolgt offiziell nach FCI-Schema über den Club.

So sieht ein Endbefund-Röntgen aus

Am 19.10.2026 wurden Franzi und Frieda zum Endbefund geröntgt. Die Bilder zeigen Franzis Wirbelsäule von der Halswirbelsäule bis zur Lendenwirbelsäule in seitlicher Lage, so wie sie für die IVDD-Auswertung nach FCI-Schema eingereicht werden. Die offizielle Auswertung steht noch aus; das Ergebnis tragen wir hier nach, sobald es vorliegt.

Röntgenaufnahme Welsh Corgi Pembroke: Halswirbelsäule (HWS), seitlich
Halswirbelsäule (HWS), seitlich
Röntgenaufnahme Welsh Corgi Pembroke: Übergang Hals- zu Brustwirbelsäule, seitlich
Übergang Hals- zu Brustwirbelsäule, seitlich
Röntgenaufnahme Welsh Corgi Pembroke: Brustwirbelsäule (BWS), vorderer Abschnitt, seitlich
Brustwirbelsäule (BWS), vorderer Abschnitt, seitlich
Röntgenaufnahme Welsh Corgi Pembroke: Brustwirbelsäule (BWS), hinterer Abschnitt, seitlich
Brustwirbelsäule (BWS), hinterer Abschnitt, seitlich
Röntgenaufnahme Welsh Corgi Pembroke: Lendenwirbelsäule (LWS), seitlich
Lendenwirbelsäule (LWS), seitlich

Genetische Übersicht: Wachstum und Rücken

🟢 testbar · 🟠 beim Hund bekannt, kein Test · 🔴 nicht testbar (Kandidat oder unbekannt)

Gen / BereichBedeutung
🟢FGF4 CFA18 (CDPA)Kurze Beine, beim Pembroke fast fixiert
🟢FGF4 CFA12 (CDDY)Kurze Beine + IVDD-Risiko
🟢IGF1, IGF1R, STC2, GHRKörpergröße
🟢T-Box (Natural Bobtail)Schwanzlänge; homozygot nicht lebensfähig
🟠HMGA2, LCORL, SMAD2, ESR1Körpergröße (Forschung)
🔴Wirbelzahl, Rumpflänge, ProportionenViele unbekannte Gene
🔴Weitere IVDD-FaktorenNoch nicht identifiziert

Noch nicht identifiziert

BereichGeschätzter Umfang
🔴Restliche GrößenunterschiedeViele Gene mit kleiner Wirkung
🔴Rumpflänge und ProportionenViele Gene mit kleiner Wirkung
🔴WachstumsverlaufViele Gene mit kleiner Wirkung, dazu Umwelteinflüsse
🔴Summe unbekanntVermutlich Dutzende bis Hunderte Gene

Rechtliche Einordnung

  • Gesetz: § 10 der Tierschutz-Hundeverordnung verbietet seit 2022 das Ausstellen von Hunden, bei denen erblich bedingt Körperteile oder Organe untauglich oder umgestaltet sind und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Für die Zucht gilt entsprechend § 11b Tierschutzgesetz. Rassen oder einzelne Gene nennt das Gesetz nicht.
  • Behördliche Auslegungshilfe: Die Leitlinien der Länder-Arbeitsgruppe Tierschutz (Stand 4/2026) führen unter anderem Chondrodystrophie und Brachyurie (Stummelschwanz) als Qualzuchtmerkmale auf. Sie sind keine Rechtsnorm, sondern eine Orientierung für die Ämter.
  • Praxis: Das zuständige Veterinäramt entscheidet im Einzelfall für jeden Hund; ganze Rassen sind nicht verboten. Gegen eine Entscheidung steht der Weg zum Verwaltungsgericht offen.

Für uns bedeutet das: lückenlose tierärztliche Dokumentation, Röntgenbefunde und Gentests, damit der Gesundheitszustand jedes Hundes nachvollziehbar belegt ist.

(Keine Rechtsberatung.)

Rute: Natural Bobtail

Wir züchten beim Corgi keine kurzen Ruten. Stand heute haben 100 % unserer Corgis eine natürliche lange Rute, und dabei bleibt es.

Der Weg in die Zukunft

  1. Transparenz: Wir setzen uns für eine offene Datenbank mit Gen- und Röntgenbefunden aller Zuchthunde ein. Vorbild ist Finnland, wo Gesundheitsbefunde in der Datenbank des Finnischen Kennelklubs (KoiraNet) öffentlich einsehbar sind.
  2. CDDY-Frequenz senken: Wo es der Genpool erlaubt, bevorzugen wir Verpaarungen mit Hunden mit 0 oder 1 CDDY-Kopie, ohne die genetische Vielfalt zu gefährden. Die Kurzbeinigkeit bleibt über CDPA erhalten. In Deutschland ist dies aufgrund der derzeit verfügbaren Zuchtpartner allerdings nur sehr eingeschränkt möglich.
  3. Outcross als letzte Option: Sollte sich zeigen, dass innerhalb der Rasse zu wenig CDDY-freie Hunde vorhanden sind, halten wir ein wissenschaftlich begleitetes Outcross-Projekt für einen legitimen Weg.

Ein Beispiel: Ein CDDY/CDDY-Corgi mit einem CDDY-freien Partner ergibt nur mischerbige Welpen (N/CDDY). Werden zwei mischerbige Hunde verpaart, sind statistisch 25 % der Welpen CDDY-frei.

Fazit

CDDY ist ein echter, gut belegter Risikofaktor, aber nicht das Schicksal des einzelnen Hundes. Wir züchten nach Gentest, Röntgenbefund und Körperbau, und wir arbeiten daran, den Anteil von CDDY in unseren Linien Schritt für Schritt zu senken.


Quellen